Klostertaler Kulturlandschaft

Inventar zur Kulturlandschaft des Klostertals

 

Seit vielen Jahren bemüht sich der Museumsverein Klostertal um die Dokumentation des materiellen Kulturerbes, sprich der Spuren menschlicher Bewirtschaftung in der Kulturlandschaft. Zu verschiedenen Landschaftsabschnitten des Klostertals konnten in den vergangenen Jahren größere Projekte realisiert werden (etwa zu den Bergmähdern auf Glong, zum Lechquellengebirge und zum Bereich Alpe Mähren – Radonatobel). Der Verlust vieler Bereiche der traditionellen Kulturlandschaft ist im Klostertal offensichtlich, vom Talbereich bis in die alpinen Regionen. Das ist vor allem auf den Rückgang der Landwirtschaft infolge veränderter struktureller Rahmenbedingungen zurückzuführen.

Dramatisch ist vor allem der Rückgang der Magerwiesen. Aber auch von der Bausubstanz in mittleren und höheren Lagen ist mittlerweile sehr vieles verloren gegangen. Dasselbe gilt auch für Landschaftselemente wie Trockenmauern, Zäune und historische Verbindungswege.

 

Müller Maisäß in Dalaas (Aufnahme von Andreas Schnetzer um 1920)

 

Ein wichtiges Ziel der Arbeit des Museumsvereins Klostertal ist in den kommenden Jahren eine systematische Erfassung der Klostertaler Kulturlandschaft in Form eines Inventars. Dafür soll ein entsprechendes Instrumentarium geschaffen werden. Einerseits geht es darum, die in der Landschaft noch vorhandenen Strukturen zu dokumentieren (mittels Erhebungsbögen und einer fotografischen Dokumentation) und andererseits sollen historische Informationen zu den Objekten gesammelt, gesichtet und zugeordnet werden. Das gilt auch für die vielen Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die in den vergangenen 15 Jahren geführt wurden, wobei diese Sammlung kontinuierlich erweitert wird.

Zur Begleitung dieser Tätigkeiten soll eine Arbeitsgruppe installiert werden, die in regelmäßigen Abständen erforderliche Maßnahmen diskutiert. Insbesondere geht es auch darum, Initiativen zur Erhaltung der Kulturlandschaft in Gang zu bringen, die über eine Dokumentation hinausgehen. In dieser Hinsicht wurden etwa im Montafon in den vergangenen Jahren Initiativen entwickelt, die auch für das Klostertal Vorbildcharakter haben können.

 

Pilotprojekt 2020

In einem Pilotprojekt sollen 2020 erste Schritte in Richtung der Erfassung der landwirtschaftlichen Gebäudesubstanz gesetzt werden. Heubargen, Ställe und größere (Maisäß-)Gebäude (wobei es im Klostertal im Gegensatz zum Montafon nur sehr wenige Maisäßensembles gibt, meist handelt es sich um einzelne Gebäude) prägten einst die Kulturlandschaft des Klostertals, vom Talboden bis in hochalpine Regionen. Sie sind in historischen Quellen fassbar, etwa im Bayerischen Kataster von 1808ff., dem Grundkataster von 1857, dem Verfach- und dem Grundbuch, unzähligen alten Kaufverträgen, historischen Luftbildern und historischen Fotografien. Auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erinnern sich in Interviews oft lebhaft an die Nutzung dieser Gebäude, von denen heutzutage teilweise nur noch die Grundmauern (im Dialekt „Hostigen“ genannt) existieren. Die Auflassung vieler Magerheugebiete (insbesondere in den Bergregionen) und die zunehmende Verwaldung ehemaliger Magerwiesen haben den Bestand an landwirtschaftlichen Gebäuden massiv schrumpfen lassen und der Verfall hält immer noch an. Umso wichtiger ist es, diese systematisch zu erfassen und zu dokumentieren. Aufbauend auf der Dokumentation können dann allfällige Initiativen für Instandsetzungen und möglicherweise auch Neuinterpretationen bzw. -nutzungen entwickelt werden.

Für das Pilotprojekt sollen ca. 20-25 Objekte zwischen Bings und Rauz ausgewählt werden. Dabei wird auf Ausgewogenheit hinsichtlich der geografischen Verteilung (im Tal sowie vom Talboden bis in die alpinen Regionen), die Berücksichtigung der Nutzung oder bereits erfolgter Auflassung, die Größe und den Erhaltungszustand geachtet. Insgesamt soll ein repräsentativer Blick auf die landwirtschaftliche Gebäudesubstanz

des Klostertal erfolgen – und damit auf eine Region, die bisher in der Wissenschaft (aber auch in überregionalen Strategieprozessen) häufig wenig Beachtung gefunden hat. Die Auswahl der Objekte erfolgt nach Rücksprache mit kundigen Gewährspersonen in den einzelnen Orten.

 

 

Jakobs Maisäß in Wald am Arlberg, Grundparzelle Nr.1843/1 (Foto: Christof Thöny)

 

Die Erfassung der Gebäudestrukturen erfolgt in zweifacher Hinsicht:

  • -  Erhebung im Gelände: Fotografische Dokumentation, Kategorisierung, Beschreibung, allenfalls Empfehlungen für Maßnahmen

  • -  Historische Erfassung: Bezeichnungen, Beschreibung, Historische Beschreibungen, Besitzstrukturen anhand von Quellen, Literatur, Ausschnitte aus Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, weitere Bemerkungen (Sagen, Erzählungen usw.), historische Fotografien

    Bei ca. fünf ausgewählten Objekten soll eine dendrochronologische Datierung vorgenommen werden.

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